Biophysikalische Grundlagen der Gleichstrom- und Niederfrequenztherapie Der menschliche Körper stellt einen so genannten Leiter zweiter Klasse dar. Das heißt, er ermöglicht den Stromfluss durch seine in Zellen und Geweben befindlichen wässrigen Lösungen. Durch das Anlegen einer elektrischen Spannung kommt es zu einer Kettenreaktion. Die in allen Körpergeweben enthaltenen Salze und Basen werden in geladene Teilchen aufgespalten, die so genannten Ionen. Die Elektrotherapie mit Gleichstrom oder auch niederfrequenten Strömen kann sowohl dämpfend als auch erregend wirken. Bei dem im Körper vorhandenen Kochsalz (NaCl oder Natriumchlorid) etwa entstehen ein positiv geladenes Natriumion (Na+) und ein negativ geladenes Chlorion (Cl-). Das positive Teilchen wandert zum Minuspol (Kathode), das negativ geladene Teilchen zum Pluspol (Anode). Erst durch diese Wanderbewegung kann dann Strom fließen. Die Ionen können dabei elektrisch neutrale Teilchen, ja selbst Bakterien oder Blutkörperchen mitreissen. Die Elektrotherapie mit Gleichstrom oder auch niederfrequenten Strömen kann sowohl dämpfend als auch erregend wirken. Der Grund dafür liegt an Entladungsvorgängen, die die Ionen nach ihrer Wanderbewegung an Plus- und Minus-Pol auflösen. So wird etwa an der positiven Elektrode (Anode) aus dem Wasser (H2O) negativ geladener Sauerstoff abgeschieden, was die wässrige Körperlösung saurer werden lässt. Dies hat eine dämpfende und schmerzstillende Wirkung auf den Organismus. An der negativen Elektrode (Kathode) wird aus dem Wasser positiv geladener Wasserstoff abgeschieden, wodurch die Elektroden-Umgebung basisch wird. Eine die Erregbarkeit steigernde und schmerzstillende Wirkung stellt sich ein. Grundsätzlich bewirkt jede sich plötzlich ändernde Stromstärke eine Entladung elektrisch erregbaren Gewebes im Körper. Einen kurzzeitigen Stromfluss nennt man Impuls, einen Stromfluss der aus vielen aneinandergereihten Impulsen besteht, bezeichnet man als Impulsstrom. Besonders gut durch Impulse elektrisch erregbar sind Nerven- und Muskelzellen. Daher fallen unter die Hauptanwendung der Impulsströme all jene Erkrankungen und Beschwerden, die mit Nerven (Schmerzen) oder Muskeln (Schwäche, Lähmung, Verspannung) zusammenhängen. Grundsätzlich wird der Strom über die Haut in den Körper eingeleitet. Die Entladungen an den Elektroden können auch zu unerwünschten Wirkungen führen. Die chemischen Veränderungen können zu sehr langsam heilenden Verätzungen im Bereich der Haut führen. Diese verätzende Wirkung kann aber auch zur elektrochemischen Beseitigung von Schleimhautpolypen oder zur Zerstörung von Haarwurzeln zur Enthaarung (Epilation) eingesetzt werden.
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